BERÜHRUNG HEBT DIE GRENZEN ZWISCHEN ICH UND DU AUF

Man kann sehen, ohne gesehen zu werden, man kann hören, ohne gehört zu werden, aber: man kann nicht berühren ohne berührt zu werden.
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Diesen Satz verdanke ich meinem ersten Lehrer bei der Shiatsuausbildung, Eduard Tripp. ( Danke, lieber Edi!) Ich weiß nicht ob er von ihm ursprünglich stammt, denn auch er hat viel und gern zitiert.

Nun zu meinem Impuls: Gestern erlebte ich eine überirdisch gute Gesichtsmassage bei einem Kosmetiktermin. (Ja, ab und zu gönnen sich auch Behandler eine Behandlung ;) Mit jeder feinen Berührung in meinem Gesicht schien mehr und mehr die Grenze zwischen dieser Frau und mir aufgelöst. Und plötzlich war der Satz da:

BERÜHRUNG hebt die Grenzen zwischen Ich und Du auf.

Und dann dachte ich, das ist ja eine genaue Beschreibung auch meiner Arbeit! 

Je mehr man sich dessen bewusst ist, desto achtsamer und stiller wird die Qualität der Berührung sein. Wir betreten ein gemeinsames Feld, Du und Ich. Wir schwingen gemeinsam. Als Therapeutin wähle ich den Ansatz, mir jederzeit bewusst zu sein, wo ich aufhöre und der/ die Andere beginnt und dennoch mich einzulassen - für einen begrenzten Zeitraum - auf dieses Feld. Da mein Behandlungsansatz den feinstofflichen Körper des Menschen mit einbezieht, wäre es eine Illusion zu glauben, dass der Mensch dort aufhört , wo er selbst die Grenzen seines Körpers definieren würde.

Diese Gratwanderung hat jahrelanges Üben erfordert, sie ist jedoch für mich mittlerweile die einzig mögliche Form meiner Arbeit. Im Betreten des gemeinsamen Feldes werden mir sozusagen Informationen über den Klienten/die Klientin, - oder bei Schwangeren auch über das Kind im Bauch -, sichtbar, fühlbar, wahrnehmbar. Meist in Form von Bildern, die ich dann gern im Dialog hinterfrage. Oft werden dann hinter den Symptomen tiefer liegende Themen sichtbar und können im therapeutischen Kontext mitbearbeitet werden.

Ich möchte ein weiteres Zitat des persischen Dichters Rumi anschließen, das grade in mir klingt und schwingt:

Jenseits der Vorstellungen von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort werde ich Dich treffen.